Meine neu erworbenen Karten haben unter anderem auch "landschaftlich schöne" Strecken markiert. Eine ebensolche habe ich genommen: Strasse 780 von Krakau nach Auschwitz. Und die Strecke war wirklich zauberhaft: schöne Wälder und Alleen haben sich mit bunten Feldern abgewechselt. Als einsamer Radler auf der Landstrasse hatte ich Zeit, meine Gedanken etwas schweifen zu lassen.....
Ein paar Gedanken-Fragmente:
- Gedanken an das KZ Auschwitz-Birkenau. Was war dort vorgefallen?
- An alle Lieben zu Hause in der Schweiz (in Liestal, Winterthur, Rorschach, Basel und sonstwo) und weltweit (in Siem Reap?): ich hoffe, es geht euch gut und freue mich, euch - in gut einem Monat - wiederzusehen. Kein Heimweh, aber .......... (irgend ein anderes Gefühl halt).
- Wälder, Felder, wunderbare Landschaft, überwältigend. Lädt zum Träumen ein.
- Gedanken an den Tod. Das KZ und auf der ganzen Strecke die vielen Grabkreuze am Strassenrand. Selbstunfälle? Unfälle? Und auch viele tote Tiere: ein Reh, ein paar Katzen und mehr als ein Dutzend Vögel und kleinere Tiere...
- Waren die Autofahrer auch in Gedanken versunken gewesen?
- Ich versuche aber, möglichst wenig zu denken, und möglichst oft einfach zu sein. Beim Fahren. Einfach da sein. (Danke Reto für das buddhistische Zitat, das du mir auf den Weg mitgegeben hast.)
- .... und immer wieder das KZ: je näher ich meinem Ziel kam, desto ruhiger und nachdenklicher wurde ich.
- Pausen machen. Regelmässig. Am besten alle 10 bis 20 Kilometer. Meine Knie (oder deren Bänder, Sehnen und Nerven) sind die Belastung noch nicht gewöhnt. Das Liegevelo ist so bequem, ich merke manchmal einfach nicht wie die Zeit und die Kilometer verfliegen. Aber ich muss pausieren, regelmässig. Die Pausen lassen sich gut nützen: essen, trinken, fotografieren, Zähne putzen, trinken, einkaufen, navigieren, trinken, fotografieren, Wäsche waschen, trinken, Wäsche auf dem Gepäckträger wenden sodass sie schnell trocknet, ....
Z
um Abschluss drei Fotos, die das Leben auf der Landstrasse 780 zeigen. Alle vom gleichen Standort aufgenommen. Gleicher Standort - drei Blickrichtungen: Schönheit und Tod - so nahe beeinander.
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